War for talent is over, talent won. Diesen Spruch hast du vermutlich auch schon gelesen. Ich kann es mittlerweile nicht mehr hören. Ich habe die Vermutung, dass viele Recruitingverantwortliche und auch Führungskräfte ihn schlicht und einfach als Ausrede verwenden. Als Ausrede dafür, dass post and pray eben nicht mehr funktioniert. Und trotzdem: Wir befinden uns nicht im Krieg!

Geprägt hat den Satz Steven Hankin von McKinsey im Jahr 1997 und er machte in einer Studie darauf aufmerksam, dass der „war for talent“ eine große Herausforderung für Unternehmen und auch erfolgsentscheidend sein kann. 2001 erschien dann das gleichnamige Buch von Kolleginnen und Kollegen von Steven Hankin. Schon damals wurde geraten, die eigene Recruitingstrategie zu hinterfragen und zu ändern.

Im Jahr 2019 scheint, dass sich viele noch in der Post-and-Pray-Ära wähnen und sich wundern, warum sie nicht weiterhin zwischen Bewerberinnen auswählen können. Nun seither hat sich einiges geändert, warum glauben dann so viele, dass im Recruiting die Zeit stehen geblieben ist? In Österreich gibt es den Megatrend demografischer Wandel, das bedeutet, dass die Bevölkerungszahl wohl anwächst, die Anzahl der Geburten aber abnimmt. Zeitgleich werden die Menschen älter und unsere Arbeitsorganisation ist nicht auf die Beschäftigung von älteren Menschen ausgelegt. Ergo wird die Gruppe der Berufserfahrenen am Markt heiß umkämpft, oder?

Und genau hier spießt sich leider alles. Denn wir müssen nicht kämpfen, um ideale Mitarbeiterinnen zu bekommen. Wir müssen uns nur bemühen. Beginnend bei der Textierung des Inserates, der Wahl des richtigen Kanals und der Überlegung, wer passt denn überhaupt zu uns. Sobald da ein wenig mehr Energie hineingesteckt wird, funktioniert das auch wieder mit den Bewerbungen. Von Vorteil ist nämlich, dass die Arbeitnehmerinnen jetzt in der Lage sind, sich den Job auszusuchen, den sie wirklich gerne machen wollen. Und wenn wir den zufälligerweise im Angebot haben, dann geht es nur noch darum, diese Information richtig zu platzieren.

Dafür gibt es heute eben zahlreiche Möglichkeiten, die wir nützen können – oder auch nicht. Aber wenn ich ein liebloses Inserat von vor sieben Jahren kopiere und wieder auf die gleiche Jobplattform stelle (weil ich ja dort ein Kontingent habe und es dort günstig ist), dann darf ich mich wohl nicht wundern, wenn ich keine oder nicht die richtigen Bewerbungen erhalte. Zeitgleich will ich aber schon, dass sich Bewerberinnen bitte Gedanken machen, warum sie bei uns arbeiten wollen, am besten ein Motivationsschreiben verfassen und sich außerdem so lange gedulden, bis ich noch zwei andere in der engeren Wahl habe.

Sorry, so läuft es nicht mehr. Gleichberechtigung, auf Augenhöhe – nenne es wie du magst – aber Fakt ist, dass es nicht mehr um die Auswahl, sondern um die Entscheidung geht. Die treffen allerdings beide Seiten und das sollte dir und deinen Führungskräften klar sein.

Krieg ist übrigens ein mit Waffengewalt ausgetragener Konflikt, das hat mit Recruiting ja wohl wenig gemeinsam. Klick um zu Tweeten

Im Gegenteil: Setze auf die Zusammenarbeit mit deinen Führungskräften und Mitarbeiterinnen, sieh die derzeitige Situation als Chance an, auch einmal neue Wege einzuschlagen und erweitere deine eigene Kompetenz – damit Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia

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