Recruiting nach Corona – wird sich etwas ändern, was wird sich ändern und was kannst du jetzt schon tun, das sich dann positiv aufs Recruiting auswirkt? Hast du dich das auch schon gefragt? Ich habe mir Gedanken dazu gemacht, recherchiert und gebe eine Prognose ab: So wird sich Recruiting nach Corona entwickeln.

Eine Sonderauswertung vom AMS Österreich zeigt auf, dass Ende März 2020 der Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen bei 504.345 lag, das ist ein Anstieg von +199.934 (+65,7 %) im Vergleich zum März des Vorjahres. Die größten Bereiche, die davon betroffen sind – und das ist wenig verwunderlich – sind Tourismus und Gastronomie.

  • Wenn du jetzt meinst, dass durch die steigende Anzahl von Arbeitslosen Recruiting künftig zum Kinderspiel wird, dann irrst du.
  • Wenn du in einer Branche tätig bist, in der gerade höhere Arbeitslosigkeit herrscht, und du denkst, du kannst es dir jetzt einfach machen, dann irrst du.
  • Wenn du gerade in der beschissenen Situation bist und Mitarbeiterinnen kündigen musst und du denkst, das hat keine langfristige Auswirkung auf dein Recruiting, dann irrst du.

Was ändert sich nach der Coronakrise nicht, welche Jobs werden sehr bald wieder zu besetzen sein? Richtig: alle die, wo heute schon Fachkräftemangel herrscht. Die demographischen Daten ändern sich keineswegs – ok, vielleicht gibt es in 9 Monaten ja einen Geburtenboom, das hilft dir allerdings erst in 15 bis 25 Jahren und ist zu langfristig gedacht.

Der War for Talents im IT-Bereich wird noch weiter ansteigen, denn wenn Covid-19 eines vorantreibt, dann das Thema Digitalisierung. Das ist greifbarer und notwendiger denn je zuvor, und wen brauchen wir dazu? Genau.

Zeiten der Krise zwingen allerdings nicht nur Unternehmen dazu, ihre Angebote innerhalb kürzester Zeit an den Markt anzupassen (Stichwort Digitalisierung), sie bringen auch Menschen dazu, innezuhalten und vieles zu hinterfragen: ihre Beziehung, ihre Wohnsituation und vor allem ihren Job!

Wenn du für das Recruiting von Pflegekräften verantwortlich bist, dann wird sich die Situation noch mehr zuspitzen. Am Balkon klatschen ist nett gemeint, davon haben die Menschen, die derzeit oft am Limit sind, aber nichts. Sie brauchen ordentliche Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung. Das gilt für alle anderen systemrelevanten Berufe übrigens genauso. Du kannst genau jetzt dafür sorgen, dieses Thema strategisch zu platzieren.

Menschen, die vielleicht bisher nicht aktiv auf Jobsuche waren, werden eine höhere Wechselwilligkeit aufweisen als bisher, aber sie werden ihre Arbeitgeber und auch ihre Tätigkeit sehr genau auswählen. Ich habe zahlreiche Tweets gelesen, in denen medizinische Fachkräfte schwören, dass sie nach der Krise ihren Job wechseln.

Sprechen wir mal Klartext: Die Coronakrise bietet auch die Gelegenheit, Mitarbeiterinnen loszuwerden.

Wie du allerdings jetzt mit deinen bestehenden Mitarbeiterinnen umgehst, wie du mit ihnen kommunizierst hat langfristig Auswirkungen auf dein Recruiting. Was und wie deine Mitarbeiterinnen jetzt über dein Unternehmen als Arbeitgeber kommunizieren, entscheidet über deinen künftigen Erfolg im Recruiting, über dein Image als Arbeitgeber und somit auch darüber, ob Recruiting künftig für dich einfach wird – oder nicht.

Das bedeutet nicht, dass du niemandem kündigen darfst, HR muss schließlich nicht nur menschlich, sondern auch unternehmerisch agieren. Aber wie du vorgehst, wie und wann du kommunizierst, all das ist wichtiger denn je, dein Job wird gerade einer harten Prüfung unterzogen.

HR hat in vielen Unternehmen (nicht in allen!) nicht unbedingt das beste Image. Was tun die eigentlich den ganzen Tag, wofür brauchen wir die und die kosten nur Geld, aber bringen nix, sind Sätze, die ich selbst auch schon gehört habe.

Weißt du, woran das liegt?
In HR-Ausbildungen bringt dir niemand bei, wie du angemessen kommunizierst und leider auch nicht, wie du dich bzw. deine Tätigkeit in Human Resources positionierst.

Genau das ist aber in Zeiten wie diesen deine einzige Geheimwaffe: die Kommunikation. Und zwar nicht nur einmalig, sondern immer wieder und wieder, auf allen Kanälen, die dir zur Verfügung stehen. Aber das habe ich dir ja in diesem Blogbeitrag schon gesagt (ich halte mich natürlich nicht immer selbst an meine Empfehlungen, aber diese ist einfach zu wichtig: Wiederholung!).

Recruiting wird also kurzfristig scheinbar einfacher, aber schon in wenigen Monaten wird alles, was du bisher unter War for talents gekannt hast, einem Kindergeburtstag gleichen. Arbeite daher jetzt daran, einfach ein guter Arbeitgeber zu sein und habe keine Scheu, das auch bekannt zu machen, dann bleibt Recruiting für dich einfach.

#StaySafe
Claudia

PS: Nächste Woche geht es um Active Sourcing in Krisenzeiten. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

2 Kommentare

  1. Danke, Claudia, ich mag es, dass du in diesem blogbeitrag Ecken und Kanten zeigst und selber die Hosen runter lässt 😉

    Ob Recruiting (und alles andere in/nach einer Krise) so einfach wird, wie du schreibst, bezweifle ich jetzt mal etwas. Dennoch bin ich optimistisch. Wir Menschen sollten ohnehin öfter den schöneren Weg wählen als den einfacheren. In unseren Urlauben machen wir das, wir erkunden Buchten und Strände nebst Schotterwegen und kämen nie auf die Idee, die Schnellstraße zu nehmen, um die Schönheit eines Landes zu erkunden…
    In diesem Sinne: schöne Reise uns allen!

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    • Liebe Iris,
      danke für deinen Kommentar. Und ich bleibe dabei: Recruiting ist einfach – für mich jedenfalls. Vor, während und nach Corona. 🙂

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