Tinder, TikTok oder Jodel – soll man wirklich Datingplattformen, eine App für Musikvideos oder eine mit regionalem Bezug im Recruiting einsetzen? Beispiele gibt es genug, manche haben auf ihrem TikTok-Kanal schon eine Million Follower, andere setzen auf Ads bei Jodel oder veröffentlichen auf Tinder eine Recruitingkampagne für Flugbegleiterinnen bzw. ein Traineeprogramm. Und gleich vorweg: das funktioniert. Warum ich trotzdem nicht rate, sofort ein Video eurer tanzenden Mitarbeiterinnen auf TikTok hochzuladen oder ein Ad auf Tinder zu schalten. 

Bei meinem Impulsvortrag „CatContent, Shitstorms und Worst-Case-Beispiele“ beim XING Puls HR Wien Treffen habe ich aufgezeigt, welche Fallen im Social Media Recruiting lauern und auch welche Nachteile es gibt. Zeit, mich damit auch einmal in einem Blogbeitrag auseinanderzusetzen.

Die Frage, die mir vermutlich am häufigsten gestellt wird – egal ob in firmeninternen oder in offenen Workshops (wie zum Beispiel meinem Social Media Recruiting Bootcamp) – lautet: Wo sollen wir am besten sichtbar sein, welche Plattform ist für Social Media Recruiting am besten geeignet?

Diese Frage ist leider nicht ganz einfach zu beantworten, denn (mein Arbeitsrechtprofessor an der FH hätte jetzt seine helle Freude mit meiner Antwort): Das kommt darauf an.

Zuerst einmal – und das ist der wichtigste Punkt – muss ich mir überlegen, ob meine Zielgruppe überhaupt auf der gewünschten Plattform vertreten ist. Dabei darf man nicht vergessen, dass zum Beispiel bei der Zielgruppe Jugendliche und Berufseinsteigerinnen oft auch die Eltern noch ein Wörtchen mitreden. So kann es z. B. bei einer Lehrlingskampagne durchaus schlau sein, die Jugendlichen auf TikTok, die Eltern aber auf Facebook anzusprechen.

Als nächstes muss ich mich mit der jeweiligen Plattform wirklich auseinandersetzen, ich muss verstehen, wie sie funktioniert. Warum halten sich Menschen gerade dort auf?

Wenn ich es dann noch schaffe, meine Beiträge (Content in der Online-Marketing-Sprache) so zu gestalten, dass sie Aufmerksamkeit erregen und zur Zielgruppe sowie zur Plattform passen – dann bin ich auf dem richtigen Weg.

Du wirst jetzt vielleicht einen Punkt vermissen: Was ist denn mit unserer Unternehmenskultur, was ist mit unseren Werten als Arbeitgeber, unserer Employer Brand? Wenn du auf einer der drei genannten Plattformen Social Media Recruiting betreiben möchtest, wirst du sehr wahrscheinlich diesen Punkt schlicht und einfach vernachlässigen müssen. Zu welchem Image als Arbeitgeber passt denn Tinder? Mir fällt da gerade nicht wirklich etwas ein. Tanzen deine Mitarbeiterinnen andauernd durch die Gänge, werfen sie sich auf den Boden, um die Robbe zu machen oder tun so, als würden sie gerade ein Lied performen? Vermutlich nicht (wenn doch lass es mich wissen, das will ich sehen).

Grundsätzlich können Plattformen, Apps und soziale Netzwerke im Recruiting funktionieren, wie einige Beispiele schon zeigen. Im Endeffekt geht es ja darum, als Marke Aufmerksamkeit zu erregen und die Reichweite zu vergrößern. Je… Klick um zu Tweeten

Noch völlig außer Acht gelassen habe ich den Aspekt der Moral. Ist es vertretbar, auf einer App wie TikTok, die einem chinesischen Unternehmen gehört, Daten zu speichern? Ist es vertretbar, mit einer Dating-App in Verbindung gebracht zu werden? Ist es vertretbar, auf einer App, wo sich vor allem Studentinnen zum Vergnügen aufhalten, für Jobs zu werben?

Diese Frage kann und will ich nicht für dich beantworten, ich kann dir aber gerne dabei helfen, die richtigen Plattformen auszuwählen und dich bei der Umsetzung unterstützen.

Als nächstes werden wir übrigens Jodel für Recruitingzwecke etwas genauer unter die Lupe nehmen, davon berichte ich dir dann sehr gerne wieder hier im Blog – damit Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia

PS: Nächste Woche steht hier das Recruiting von Lehrlingen im Mittelpunkt. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code