Arbeitgeberplattformen sind für Arbeitgeberinnen ein kontroverses Thema, für Arbeitnehmerinnen aber scheinbar der heilige Gral auf der Suche nach einem neuen Job und somit für uns Recruiterinnen nicht zu vernachlässigen. Laut HRM lassen sich vier von fünf Jobinteressenten von Arbeitgeberbewertungen beeinflussen. Besonders zwei Arbeitgeberbewertungsplattformen wollen den Jobsuchenden mehr Transparenz am Arbeitsmarkt vermitteln und sie bei der Jobsuche unterstützen. Meine Kollegin Sabine hat Glassdoor und kununu genau unter die Lupe genommen. Hier der direkte Vergleich:

Mit dem Markteintritt von Glassdoor in Deutschland im Jahr 2015 hat kununu – die größte Arbeitgeberbewertungsplattform im deutschsprachigen Raum – Konkurrenz bekommen. Es hat allerdings eine Weile gedauert, bis Glassdoor in Deutschland und Österreich tatsächlich Fuß gefasst hat, mit der Eröffnung eines eigenen Büros in Hamburg im Juni 2019 ist aber ganz klar: Glassdoor hat (nicht nur) in Europa noch viel vor! Was zeichnet beide Plattformen aus, was sind die Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede?


Zahlen, Daten, Fakten
(Stand Februar 2020)

kununu

Gegründet: 2007 in Wien, seit 2013 ein Tochterunternehmen von XING
Standorte: DACH, USA, Portugal
Erfahrungsberichte: 4 Mio.
Bewertete Unternehmen: über 932.000

Wer kann bewerten?
Ehemalige und aktuelle Arbeitnehmerinnen, Bewerberinnen, Lehrlinge – entweder direkt auf der kununu-Seite oder über XING.

Was kann bewertet werden?
Die Bewertungskategorien der Arbeitnehmerinnen umfassen mehrere Kriterien und reichen vom Wohlfühlfaktor bis hin zum Karrierefaktor des jeweiligen Unternehmens. Außerdem können Angaben zu den gebotenen Benefits gemacht werden. Auch der Umgang vor und nach dem Bewerbungsgespräch sowie es selbst kann bewertet werden. Lehrlinge bewerten ihre Ausbildung anhand 10 Kriterien wie Spaßfaktor, Aufgaben, Betriebsklima etc. Seit kurzem gibt es auf kununu auch Angaben zum Gehalt und zur Unternehmenskultur. Diese Daten sind allerdings zum jetzigen Stand noch sehr ausbaufähig, gerade in Österreich wird ja nur allzu gern ein Geheimnis aus dem Gehalt gemacht und man wird sehen, wie sich das hierzulande entwickelt.

Funfact: kununu bedeutet „unbeschriebenes Blatt“ auf Suaheli und steht für alle Unternehmen, die bisher noch nicht auf kununu bewertet wurden.

Glassdoor

Gegründet: 2007 in Kalifornien
Standorte: weltweit in 17 Ländern
Erfahrungsberichte: 55 Mio.
Bewertete Unternehmen: über 1 Mio.

Wer kann bewerten?
Ehemalige und aktuelle Arbeitnehmerinnen, Bewerberinnen

Was kann bewertet werden?
Bewertet werden können bei Glassdoor der aktuelle oder ehemalige Arbeitgeber, das Gehalt, das Vorstellungsgespräch sowie Zusatzleistungen. Glassdoor lässt bei der Arbeitgeberbewertung die Bewertung mit „Pro“, „Kontra“ und „Rat an das Management“ recht offen. Bei der Kategorie Vorstellungsgespräch wird man etwas deutlicher gefragt, u.a. nach dem Ablauf, den Fragen und dem Schwierigkeitsgrad des Gesprächs.

Leider war es uns nicht möglich, konkrete Zahlen zu den Bewertungen von kununu und Glassdoor nur für Österreich zu erhalten. Unsere Einschätzung ist aber, dass kununu nach wie vor einen höheren Marktanteil in Österreich hat als Glassdoor.


Aus Arbeitnehmerinnensicht

kununu ist übersichtlich gestaltet, man kommt auf die Website, sucht nach dem Arbeitgeber, landet auf dessen Profil und kann sofort die Bewertungen lesen.

Was bei Glassdoor hingegen sofort ins Auge springt ist, dass man sich anmelden muss, um Bewertungen lesen zu können. Die eigene Position und Standort sind Mindestangaben, man wird allerdings auch gleich nach seinem Arbeitgeber gefragt sowie aufgefordert, gleich eine Arbeitgeberbewertung abzugeben oder eine Gehaltsangabe zu machen – das ist allerdings im ersten Schritt optional. Wenn man nichts angibt, hat man 10 Tage lang Zugriff auf die gesamte Webseite inkl. aller Bewertungen. Schreibt man bis dahin keine Bewertung, sieht man Inhalte nach Ablauf nur stark eingeschränkt.

Ein wesentlicher Teil von Glassdoors Geschäftsmodell involviert auch ein Job-Portal. Glassdoor „crawlt“ dabei Jobs von anderen Plattformen, sodass man als Arbeitnehmerin eine recht umfassende Auswahl an relevanten Jobs erhält. Auf einen Blick sieht man auch, wie das Unternehmen, für das man sich interessiert, in den Bewertungen abschneidet, sowie eventuelle Gehaltsangaben (wovon ein Großteil allerdings auf Schätzungen von Glassdoor selbst beruhen, somit also eher irrelevant – fraglich ist allerdings, ob das Bewerberinnen auch wissen). Aus Arbeitgeberinnensicht ist der Job Crawler für die Candidate Experience allerdings eher problematisch zu beurteilen, wie dieser Blogbeitrag aufzeigt.

In der Österreich-Version von kununu findet man keine Jobpostings (mehr). Schade eigentlich, wäre es doch sinnvoll, wenn man als Arbeitnehmer direkt auf einen ausgeschriebenen Job klicken kann, um mehr zu erfahren.


Aus Arbeitgeberinnensicht

Das Wichtigste gleich vorweg: Ein Firmenprofil auf kununu kommt Hand in Hand mit einem XING Employer Branding Profil, was bei Personalverantwortlichen ob der doch recht erheblichen Kosten häufig für Unmut sorgt. Lassen wir XING mal außen vor, was kann das Firmenprofil auf kununu? Unternehmen haben die Möglichkeit, Infos zum Unternehmen, zu den gesuchten Profilen, dem Bewerbungsprozess und den gebotenen Benefits zur Verfügung zu stellen. Außerdem kann man sein Unternehmensprofil noch mit Fotos und Videos sowie Arbeitgeberauszeichnungen aufpeppen. Kleinunternehmen bis zu 50 Mitarbeiterinnen zahlen für ein Employer Branding Profil (auf Xing und kununu) 357,50 € pro Monat bei einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten. Großunternehmen erhalten ein maßgeschneidertes Angebot.

kununu hat allerdings auch einige tolle kostenlose Funktionen: Auf Bewertungen kann man als Arbeitgeber auch in der Gratisversion reagieren, was durchaus wichtig und nützlich ist. Darüber hinaus bietet kununu das kununu Toolkit zum kostenlosen Download an, das tatsächlich viele hilfreiche Tipps und Tools für den Umgang mit kununu beinhaltet. Z. B. eine Anleitung, wie man seinen kununu Score leicht (und gratis!) auf der eigenen Website hinzufügen kann. Kleiner Hinweis: Solltest du einen Score von über 4 haben, bette ihn auf jeden Fall auf deiner Website ein! Der Durchschnitts-Score aller bewerteten Unternehmen auf kununu liegt aktuell bei 3,39. Deinen Branchendurchschnitt findest du übrigens am Ende deines Profils.

Die Vorteile der Bezahlversion von kununu sind natürlich, dass man Interessenten Unternehmensinformationen zur Verfügung stellen kann und dass das eigene Unternehmensprofil angezeigt wird, wenn jemand die Bewertungen eines branchenverwandten Unternehmens liest, sodass man hier nochmals mehr Reichweite bekommt. Ein Employer Branding Profil schützt auch insbesondere vor eingeblendeter Werbung von Mitbewerbern.

Bei Glassdoor ist ein Basiskonto für Arbeitgeber kostenlos. Damit kann man auf Bewertungen antworten und auf seinem Arbeitgeberprofil auch Basic-Unternehmensdaten sowie Fotos zur Verfügung stellen. Natürlich gibt es auch eine Bezahlversion. Diese umfasst

  • das Posten von Stellenausschreibungen, diese besser zu ranken und durch Display-Anzeigen im gesamten Netz zu sponsern,
  • das Versenden von Stellenausschreibungen per E-Mail an interessierte Kandidatinnen,
  • die Möglichkeit, Stellenausschreibungen gezielt auf den Profilen der Konkurrenz einzustellen sowie das eigene Profil vor Stellenausschreibungen der Mitbewerber zu schützen
  • Zugriff auf die Bewerberdatenbank inkl. CVs
  • ein erweitertes Unternehmensprofil inkl. Video-Uploads
  • Zugriff auf KPIs wie Besucheraufkommen des Profils sowie demografische Daten der Besucher

Die Kosten für ein Bezahlprofil bei Glassdoor waren für uns vor Veröffentlichung des Blogbeitrages leider nicht herauszufinden, wir halten dich aber am Laufenden, sollten wir von unseren Ansprechpartnern bei Glassdoor diesbezüglich Informationen erhalten. Oder du nimmst bei Interesse selbst mit Glassdoor Kontakt auf.

Ob du nun ein Arbeitgeberprofil bei kununu und/oder Glassdoor hast oder nicht – vergiss nicht, regelmäßig beide Portale nach neuen Bewertungen zu checken um so gegebenenfalls reagieren zu können. Wie? Das erfährst du jetzt:

Tipps für den Umgang mit Arbeitgeberbewertungsplattformen

Jetzt hast du einige Zahlen, Daten und Fakten über die beiden Portale gelernt, wie sieht das Ganze nun aber in der Anwendung aus?

Achtung! Voraussetzung dafür ist natürlich, seine Candidate und Employee Experience regelmäßig kritisch unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stelle zu justieren. Nur dann zahlen sich die Bemühungen, die man in Arbeitgeberportale als Arbeitgeber steckt, auch wirklich aus (aber das sollte ja ohnehin klar sein).

  • Ermuntere deine Mitarbeiterinnen inkl. eurer Lehrlinge zur Bewertung, Studien haben gezeigt, dass eine aktive offene Haltung zu einem höheren Anteil positiver Bewertungen führt.
  • Vergiss nicht auf Bewertungen von Bewerberinnen nach einem abgeschlossenen Bewerbungsprozess. Bitte sowohl jene, die ein Angebot als auch jene, die eine Absage erhalten haben, deinem Unternehmen über kununu/Glassdoor Feedback zu geben.
  • Beachte dabei allerdings, nicht nur einen Teil der ausgewählten Gruppe zur Bewertung aufzufordern, sondern alle. Ansonsten provozierst du einen Shitstorm unter dem Rest der Belegschaft und Bewerberinnen (ja, die Welt ist ein Dorf und das spricht sich herum).
  • Vergiss nicht, Mitarbeiterinnen auch neben kununu und Glassdoor genügend Möglichkeiten für Feedback zur Verfügung zu stellen (z. B. durch Mitarbeiterbefragungen, einer Feedback-Box, offiziellen Mitarbeitergesprächen, informellen Feedback Catch Ups etc).
  • Nütze die kostenlose Funktion bei kununu, um auf Bewertungen zu antworten. Bedanke dich für eine positive Bewertung und reagiere ehrlich und individuell auf eine negative Bewertung. Falls möglich, antworte direkt mit Verbesserungsvorschlägen, gib Fehler ehrlich zu, entschuldige dich bei Bedarf und gib unbedingt eine Ansprechpartnerin inkl. Kontaktdaten für Rückfragen an.
  • Vermeide in Arbeitgeberkommentaren direkte Konfrontationen. Falschbehauptungen können freundlich richtig gestellt werden, sollten dann aber auch mit Fakten untermauert werden können.
  • Sieh die Bewertungen als Feedback und das ist ja bekanntlich immer ein Geschenk 😉


Fazit

Glassdoor hat sehr schnell internationalisiert und selbst einige Zeit nach dem Markteintritt in Österreich merkt man dem Unternehmen die amerikanische Ausrichtung nach wie vor an (z. B. bei den Job Crawls). Wenn man in Österreich auf Google nach einem Unternehmen plus Job sucht, wird im Google Ranking kununu noch immer relativ weit vor Glassdoor gereiht. Zahlen zur genauen Reichweite beider Unternehmen rein für den österreichischen Markt ließen sich leider nicht finden, in Gesprächen mit Personalverantwortlichen und Jobsuchenden hat man allerdings schon das Gefühl, dass kununu hierzulande nach wie vor einen deutlichen höheren Stellenwert einnimmt als Glassdoor.

Und hier nochmal ein abschließender Überblick für dich:

Kurzum: Bezogen auf Recruiting und Employer Branding zahlt es sich zweifellos aus, beide Portale einem genaueren Check zu unterziehen – damit Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia & Sabine 

PS: Nächste Woche werden hier Tinder, TikTok und Jodel ins Recruiting-Licht gerückt. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

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