Post-its sind aus dem Büroalltag kaum wegzudenken. Bei mir liegen sie immer griffbereit auf dem Tisch in unterschiedlichen Farben und Formen. Sie sind nicht nur praktisch, um schnell Gedanken oder To Do’s oder eine Telefonnummer zu notieren, sie sind auch ein wichtiges Hilfsmittel bei der Digitalisierung. Welche Rolle spielen nun Post-its bei der Digitalisierung und wie verhelfen sie zu einem besseren Recruitingprozess?
Vor kurzem habe ich in einem Möbelhaus eine Kommode bestellt. Online mit Selbstabholung. Für mich als Kundin perfekt. Über Bestell- und Abholzeitpunkt bestimme ich selbst (mit einer kleinen Einschränkung, was die Öffnungszeiten angeht). Schon nach wenigen Tagen erhalte ich per E-Mail die Nachricht, dass die Kommode nun abholbereit ist. Sehr fein. Bis dahin fühle ich mich gut „betreut“. Als ich dann am späten Nachmittag an einem Freitag im Auto auf dem Weg zum Möbelhaus nochmal dieses E-Mail durchlese, finde ich keinen Hinweis auf die Öffnungszeiten. Kann ich jetzt vorher noch schnell einkaufen oder muss ich direkt hinfahren? Bei der Entscheidung hilft ein Blick auf die Website, für mich also ein extra Schritt. In der Benachrichtigung gibt es auch keinen Hinweis, wo denn genau das gute Stück abzuholen ist. Also Parkplatz gesucht, zur Information marschiert und den Hinweis bekommen, dass ich direkt ins Lager fahren muss. Dort angekommen meint ein Mitarbeiter: „Ich habe schlechte Nachrichten. Die Kommode ist im anderen Lager und das hat heute schon zu.“
Ein wunderbares Beispiel für Customer Experience, oder? Da fallen uns doch sofort zig Möglichkeiten ein, wie wir das Nutzungserlebnis verbessern können. Eine Methode, die für genau diesen Anwendungsfall bereits erfolgreich eingesetzt wird, ist Design Thinking. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Definitionen für Design Thinking, für mich bringt es die folgende sehr gut auf den Punkt: Kollaborativer, iterativer und menschenzentrierter Prozess zur Lösung von Problemen unter Nutzung von Designmethoden und Vorgehensweisen. David Kelley erklärt in diesem Video wunderbar, kurz und verständlich, was Design Thinking ist und was den Unterschied ausmacht.
In österreichischen HR-Abteilungen wird Design Thinking noch sehr zögerlich eingesetzt. Für den Einsatz in anderen Bereichen im Unternehmen gibt es schon zahlreiche Erfolgsgeschichten. Bei Google, Apple und Co gehört Design Thinking ganz selbstverständlich dazu, wenn es um die Entwicklung von neuen Produkten oder Prozessen geht. In Österreich arbeiten u.a. bereits die Lotterien und ÖBB daran, mittels Design Thinking die Customer Experience zu erhöhen.
Nina Schmidt, HR Lead von Microsoft Österreich, hat beim Digital HR Innovation Camp gemeint, dass HR Leader und Change Agent für Digitalisierung sein kann und soll (dazu gibt es im Blogbeitrag nächste Woche noch mehr). Sie arbeitet ebenfalls mit Post-its, also mit dem Design Thinking Ansatz 😉
Wann ist es denn sinnvoll, um z. B. einen „Recruiting Design Thinking“-Workshop durchzuführen? Ein guter Design Thinking-Prozess braucht eine gute Herausforderung. Ich sehe da viel Potenzial, z. B. kann es sich um folgende Fragestellungen handeln: Wir bekommen zu wenige Bewerbungen, zu viele Bewerbungen, nicht die richtigen Bewerbungen, Bewerberinnen springen ab, etc. Oder aber, wir haben Budget bekommen, die Implementierung einer neuen Recruiting-Software steht an. Freude und Frust zeitgleich im HR-Team. Freude, weil die neue Software die Recruiting Experience für alle Beteiligten, also Bewerberinnen und Recruiterinnen, verbessern soll. Frust, weil sich oft die Frage stellt: „Wie gehen wir es an?“
Wie funktioniert Design Thinking in der Praxis?
Design Thinking-Modelle gehen systematisch an den Prozess heran. In einem ersten Schritt wird das Problem der Kundinnen (in unserem Fall eben die Bewerberinnen) genauestens analysiert. Erst in einem zweiten Schritt widmet man sich der Lösungsfindung, die auch im Vordergrund steht. Es gibt unterschiedliche Prozessmodelle, mit unterschiedlich vielen Stufen, aber alle haben folgende Prozessschritte gemeinsam:

  1. Inspiration
  2. Ideenfindung
  3. Implementierung

Das Ziel von Design Thinking ist immer, in die Umsetzung zu gehen. Es entstehen keine Konzepte für die Schreibtischlade. Aus diesem Grund sind auch nicht nur Recruiterinnen am Prozess beteiligt, im Idealfall holen wir möglichst viele Stakeholder dazu. Niemand braucht spezielle Vorkenntnisse oder Kompetenzen, es gibt nur ein paar Voraussetzungen. Der Prozess schafft ein tiefes Verständnis von dem zu lösenden Problem. Inspiration und Kreativität werden ständig gefördert, wodurch Innovation entsteht. Wir arbeiten dabei

  • auf Augenhöhe
  • disruptiv
  • empathisch
  • ergebnisoffen
  • konstruktiv
  • partizipativ.

Mittels Design Thinking können wir Bedürfnisse erkennen und verstehen, stellen den Kundinnennutzen in den Vordergrund und schaffen Erlebnisse. Das ist es auch, was mir am Modell Design Thinking am besten gefällt: Wir starten alle bei 0, es gibt keine Expertinnen für das Thema und wir greifen viele verschiedene Sichtweisen auf, holen im Idealfall die Zielgruppe dazu und binden sie ein. Wenn dann noch Vertreterinnen aller Stakeholder mit dabei sind, also für den Recruitingprozess zum Beispiel HR, Recruiterinnen, Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und potenzielle Mitarbeiterinnen, kann in kurzer Zeit ein wirkliches Recruitingerlebnis für alle Beteiligten geschaffen werden.
Das wichtigste Design Thinking Werkzeug gibt es wie schon eingangs erwähnt in jedem Büro: Post-its!
Schauen wir uns doch gemeinsam an, ob Design Thinking für Ihre HR-Prozesse einen Mehrwert liefern kann!
Herzliche Grüße
Claudia

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