Chatbot Betty von BetterHR im Praxistest

Chatbot Betty von BetterHR im Praxistest

BetterHR  wer möchte das nicht? Aber eine digitale Beraterin? Betty unterstützt dich bei allen HRThemen, so das Versprechen auf der Webseite. Ich wurde gefragt, ob ich das einmal testen möchte und neugierig wie ich bin, habe ich gleich zugesagt. Weil es meine Zeit aber aktuell nicht zulässt, gibt es heute eine Premiere: Getestet hat Sabine, seit September mit an Bord und selbst nicht nur HR, sondern insbesondere Recruiting-erfahren. Sie ist diejenige, die für meine Kundinnen die Umsetzung der Ads auf Facebook und Google übernimmt. Ich habe sie gebeten, BetterHR ein wenig unter die Lupe zu nehmen und dann habich ihr ein paar Fragen dazu gestellt, hier ihre Antworten und Erfahrung:

Wer oder was ist BetterHR?

BetterHR ist ein Unternehmen, das mit Betty einen Chatbot speziell für HR entwickelt hat. Betty ist also eine virtuelle Beraterin und verspricht sowohl Fragen zu allen HRThemen zu beantworten als auch als virtuelle Sparringpartnerin zur Verfügung zu stehen. Der Bot ist konzipiert als „Unterstützung bei deinen HR Herausforderungen, liefert passende Beispiele, Muster und Checklisten, gibt Überblick über Trends und Themen sowie Empfehlung passender Experten und Dienstleister“. (laut Website, Aufruf 23.10.2019, 17:51).

Muss ich ein Programm installieren oder kann ich einfach loslegen? 

Die Testseite funktioniert kostenfrei und ohne Anmeldung, man steigt ganz leicht über www.betterhr.de ein, das Chatfenster öffnet sich und man kann sofort starten. 

Welche Fragen hast du gestellt und wie bewertest du die Qualität der Antworten? 

Fangen wir mal einfach an, dachte ich mir, und habe eingetippt: „Was ist Recruiting?“ Zwei Sekunden später antwortete Betty: „Beim Recruiting handelt es sich allgemein um die Suche von qualifizierten Kandidaten.“ So weit, so gut. Noch bevor ich eine kniffligere Frage nachschießen konnte, hat Betty schon eifrig weitergetippt und fragte nach, ob ich mehr darüber wissen möchte. Klar möchte ich! Bettys prompte Antwort: Die Grundidee des Recruitings ist es somit den Personalbedarf im Unternehmen zu decken. Zur Rekrutierung kann dabei auf verschiedene Kanäle zurückgegriffen werden.“ Und wieder: „Möchtest du mehr über die Kanäle wissen?“ Ja, warum nicht? Als Beispiele für Kanäle wurden mir gleich „Personaldienstleister, Jobportale oder Karrieremessen“ von Betty genannt. Das wollte ich nun noch etwas genauer testen: „Betty, welche Jobportale kannst du mir empfehlen, wenn ich auf der Suche nach einem Software-Entwickler bin?“ Diesmal dauerte die Antwort etwas länger, aber Betty schien fleißig zu „tippen“, zumindest lässt dies das Tippsymbol einen denken. 😉 Und wenig später spuckte sie auch schon konkrete Portale aus: „StackoverflowHoneypot oder 4Scotty empfehle ich dir.“  

  

Wow, gleich drei konkrete Portalempfehlungen – nicht schlechtWas aber, wenn ich nur wenig Budget zur Verfügung habe und mich auf eines konzentrieren muss? Diesmal kam von Betty die klassische „Das kommt darauf an“- Berater-Antwort: „Dies lässt sich pauschal leider nicht sagen. Es hängt beispielsweise davon ab, welche Rollen du suchst.“ Ok schade, aber war zugegebenermaßen auch wirklich etwas tricky, einen Favoriten aus ihr herauszukitzeln. Ich habe aber nicht so leicht aufgegeben und es nochmals versucht. Ich habe gefragt, welches das günstigste Jobportal der vier vorgeschlagenen ist und wartete gespannt auf eine Antwort. Doch auch hier waren meine Erwartungen wohl zu hoch und ein kleines Gefühl der Enttäuschung hat sich breit gemacht, als die Antwort kamAktuell habe ich noch keine Kenntnis über die preisliche Gestaltung der Jobportale.“ Gut – was nicht ist, kann ja noch werden. Wir befinden uns ja noch in der Testphase. 

Ein weiteres Thema wollte ich noch austesten, nämlich Bettys Wissenstand zum Thema Active Sourcing. Meine Frage lautete: Betty, was ist denn der Unterschied zwischen Recruiting und Active Sourcing? Bettys Antwort war hier nun allerdings etwas enttäuschend: Unter Active Sourcing versteht man eine spezielle Form des Recruitings, die Direktansprachen. Potentiell interessante Kandidaten werden identifiziert, zum Beispiel auf Xing, und dann direkt angesprochen. 

Hmmm, Direktansprache also. Naja – auch, aber eben doch noch viel mehr. (Hinweis in eigener Sache: Falls du dazu mehr erfahren möchtest, schau doch mal hier vorbei).

Ich versuchte, noch etwas tiefer zu bohren und fragte: Wie kann ich denn auf XING nach interessanten Kandidaten suchen? 

 

Dazu benötigst du zunächst einen Premium Account. Anschließend nutzt du dein Anforderungsprofil, um nach passenden Kandidaten zu suchen. Mit dem Talent Manager hast du weitere Möglichkeiten, zum Beispiel Listen anzulegen, mehr Kandidaten anschreiben, o.ä., aber das ist relativ kostenintensiv. Alles klar. Zugegebenermaßen beantwortet das meine Frage, auch wenn die Antwort recht oberflächlich ist und ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, etwa in die Richtung boolesche Operatoren. Aber das war für den Anfang wohl zu viel erwartet bzw. kann ich dahingehend ja ein anderes Mal weiterfragen. Dann interessierte es mich aber noch, auf welchen weiteren Plattformen ich noch nach weiteren geeigneten Kandidaten suchen kann. 

Betty empfahl mir LinkedIn und branchenspezifische Plattformen wie zum Beispiel Github für Entwickler oder behance für Kreative. Na bitte, das sind doch interessante Informationen, mit denen man schon mal arbeiten kann.   

Insgesamt war ich von der Qualität der Antworten doch positiv überrascht. Man hat ja mittlerweile schon mit dem einen oder anderen Chatbot zu tun gehabt, aber irgendwie ist man jedes Mal aufs Neue erstaunt, was sie draufhaben und wie menschenähnlich sie agieren. Man scheint wirklich zu vergessen, dass man nicht mit einem Menschen chattet, sondern eben mit einer Maschine. Inhaltlich wurden meine Fragen kurz und knackig, leider aber auch etwas oberflächlich beantwortet. Dies liegt aber sicherlich am Wesen eines Chats/Chatbots und wenn es die Zeit zulässt bzw. man noch mehr wissen möchte, kann man noch tiefer bohren und bei Betty nachfragen. Ich habe dennoch das Gefühl, man muss wissen, wie man die Fragen richtig stellt, um gute Antworten zu erhalten. 

Welche Nachteile siehst du? 

Bis dato konzentriert sich Betty noch auf den HRMarkt in Deutschland, das kann sich aber natürlich schnell ändern. (Wer nicht so lange warten möchte, kann sich mit recruiting-spezifischen Fragen natürlich gerne jederzeit an uns wenden. Schick uns dazu eine E-Mail und wir helfen dir gerne weiter!). Natürlich kann Betty nicht den zwischenmenschlichen Kontakt und den fachlichen Austausch untereinander ersetzen, dennoch ist es ein interessantes Tool, um erste Informationen zu einer Bandbreite an unterschiedlichen HRThemen rasch und unkompliziert zu erhalten. Allerdings sollte man immer nochmals kritisch selbst recherchieren – Active Sourcing ist eben nicht nur Direktansprache 

Wem würdest du BetterHR empfehlen? Würdest du es selbst einsetzen? 

Ich würde BetterHR/Betty wohl eher Newbies empfehlen, die einen ersten Input, eine erste Übersicht zu einem HRThema brauchen. Vorteil gegenüber der klassischen Googlesuche ist natürlich die Kommunikationsfunktion mit Betty, das heißt man kann in die eine oder andere Richtung nachfragen und so rasch und unkompliziert Antworten erhalten. Ich selbst würde es wahrscheinlich eher ziemlich punktuell einsetzen, aber wer weiß, welche neuen Themen in HR/Recruiting in der Zukunft noch auf uns zukommen, wo wir Hilfe von künstlicher Intelligenz brauchen 😉.

Herzliche Grüße
Claudia 

PS: Nächste Woche erwartet dich hier einer meiner meistgelesenen Blogbeiträge. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird. 

*Ich wurde für den Test von BetterHR weder bezahlt noch erhalte ich eine andere Vergütung, kennzeichne den Blogbeitrag aber der Vollständigkeit halber hiermit als Werbung – man weiß ja nie 😉  

Wie viel Bullshit-Bingo steckt in deinen Stellenanzeigen?

Wie viel Bullshit-Bingo steckt in deinen Stellenanzeigen?

„Pimp my JobAd“ hieß meine Session beim HR Inside Summit – was habe ich da gemacht? Eine Runde Bullsh*t Bingo gemeinsam mit den Teilnehmerinnen gespielt. Spaß beiseite, wir haben ein Inserat für eine Recruiting-Position (denn damit kennen wir uns alle aus) zerpflückt und gemeinsam eine völlig neue Version geschaffen. Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es heute Tipps fürs Texten von Stellenanzeigen, die wirken. 

Hast du gewusst, dass ca. 90 % aller Unternehmen genau mich suchen? Ja, wirklich! Egal ob auf LinkedIn oder Facebook, fast alle Begleittexte zu Stellenanzeigen starten mit „Wir suchen dich!“. Die 10 %, die den vorhandenen Platz nicht mit dieser Bullsh*t Phrase vergeuden, waren schon in einem Workshop von mir. Oder sind Leserinnen meines Blogs. 😉 

Weiter geht es dem Begriff „Herausforderung“ oder „herausfordernde Tätigkeit“. DAS möchte ich ganz sicher. Keinen Job oder ein Aufgabengebiet, das mir liegt, sondern Stress und Zweifel, ob ich das eigentlich kann😉 

Außerdem legen anscheinend alle Arbeitgeberinnen großen Wert auf Teamorientierung. Welchen Teil der Tätigkeit ich aber im Team erledigen sollte, bleibt oft ein großes Geheimnis. 

Vielleicht verrät es mir ja jemand, der WERTSCHÄTZUNG großschreibt. (Sarkasmus off). 

Natürlich wird grundsätzlich erwähnt, dass man ein innovatives Unternehmen ist – inwiefern und auf welchen Errungenschaften diese Behauptung zurückzuführen ist, wird selten bis nie erklärt.

Du weißt jetzt also, welche Begriffe du ab sofort besser weglässt, hier kommen noch ein paar Tipps für die optimale Stellenanzeige:  

  • First things first 
  • So kurz wie möglich halten (immer mehr Menschen lesen Stelleninserate auf ihrem Smartphone).
  • Aufzählungen sind besser lesbar als Fließtext. 
  • Deutsch funktioniert in Österreich besser als Englisch. 
  • Funktionsbezogene Unterschiede aufzeigen, zum Beispiel bei Sales-Funktionen: Welche Ziele werden erwartet, was sind Erfolgskriterien? 
  • Keine unternehmensinternen Begriffe verwenden. 
  • Bullshit-Bingo und Fachjargon bei Einstiegspositionen vermeiden. 
  • Emotion erzeugen (zum Beispiel durch den Einsatz von Bildern oder Videos). 

Wollen wir noch eine Runde Bullsh*it-Bingo spielen?

Und so spielst du mit: Nimm dir das letzte Stelleninserat zur Hand, das du veröffentlicht hast und schau nach, welche der oben erwähnten Begriffe du wiederfindest. Und jetzt ersetze sie bitte gleich durch sinnvolle und informative Begriffe, die deiner Zielgruppe wirklich helfen bei ihrer Entscheidung.

Und hier kommt ein Bonuspunkt für: „Mitarbeiter sind unser größtes Kapital“ (in allen Abwandlungen, die es so gibt) – wenn du das auf eurer Karrierewebsite findest, dann ruf jetzt einfach mal laut „Bingo“. Oder schreib mir. Schick mir das Inserat und/oder den Link zur Karriereseite und erhalte einen konkreten Tipp für eine bessere Formulierung deines Inserates.

Du möchtest unbedingt die Qualität deiner Stelleninserate verbessern, hast aber keine Zeit, das Texten selbst in die Hand zu nehmen? Das kannst du jetzt einfach und unkompliziert auslagern, gemeinsam mit der Streuung des Inserats direkt an deine Zielgruppe. Hier findest du alle Infos!

Lass künftig einfach nichtssagende Begriffe weg und ersetze sie durch gezielte Information für Bewerberinnen – dann wird auch für dich Recruiting wieder einfach. 

Herzliche Grüße
Claudia

PS: Nächste Woche geht’s um meine Learnings vom Future of Recruiting BarCamp 2019 in Hamburg. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.